Das
Freischwimmer-Projekt. Das ist ein Plattform für junges freies Theater, die in ihren Produktionen unterstützt werden und ihre Ergebnisse im Rahmen des Freischwimmerfestivals an verschiedenen Orten u.a. in Zürich aufführen. Iniziiert u.a. von der
Gessner Allee, die dazu auch ein Kolloquium anbietet, an dem ich teilnehme. Es gab zwei Vorbesprechungstermine. An dem ersten gings vor allem um die Struktur der freien Theaterarbeit und um die verschiedenen Studiengänge und Schulen, aus denen die Theaterschaffenden kommen.
Die zweite Vorbesprechung ging über die Konzepte der einzelnen Produktionen. Wir haben alle in Kopie mit nach Hause bekommen und uns diese gegenseitig vorgestellt. Zum Teil sind diese Konzepte doch sehr vage, so dass es viel Fantasie braucht...
Los gehts ab Donnerstag und ich werde berichten, was es so Interessantes in der freien Theaterszene gibt. Vielleicht gibts ja sogar ein paar Hintergrundinfos, da wir uns mit allen Künstlern zu Feedbackgesprächen treffen
kleinepetra - 14. Nov, 19:53
Okay ich hatte nen schlechten Tag. Hab Unterlagen daheim liegen lassen, musste nochmal zurücklaufen, wurde von so ner dummen Kuh angepöpelt, weil jemand anders die Tür losgelassen hat... Zugegeben: nicht die besten Vorraussetzungen für ein Referat.
Merke: Nie nachfragen, ob theoretische Aspekte für ein Thema nützlich sind! Man sagt erst ja, und lässt dich dann damit auflaufen. Okay, das waren verschiedene Personen und die Vorbesprechung zwischen Tür und Angel und ich vielleicht in dieser Hinsicht empfindlich ABER:
Ich frage mich zunehmend, was ich eigentlich studiere! Ob denn die Menschen immer verstehen, was sie da reden? Manchmal kommt es mir so vor, als ob es das Ziel des Studiums ist, sich möglichst unverständlich auszudrücken, damit es möglichst viel kreatives Fremdverstehen gibt und sich so jeder bestätigt fühlt, was neues gelernt hat und alle glücklich sind, "dass doch soooo viel in dem Text drin steckt". Man hört es ja öfters, dass beklagt wird, dass nicht das WAS, sondern das möglichst abstrakte WIE der Aussage im Vordergrund steht. Sprich, es ist nicht wichtig WAS man sagt, hauptsache man sagt es so, dass es nach viel klingt, weil dann die meisten Menschen auch viel darin entdecken. Und nicht das, WAS man sagt zählt, sondern, das WAS' die anderen hören (' ist aus der Mathematik und es lebe die Interdisziplinarität, weil sie verdeckt, wie wenig diese Disziplin überhaupt eindeutig beschrieben werden kann).
Ok, Dinge gewinnen schon eine neue Dimension, wenn man sie abstrakt formuliert, sie werden übertragbar, erweiterbar, beschreibbar. Trotzdem komme ich mir so vor, als wenn ich zu einem Haufen Hobby-Philosophen gehöre, die keine gemeinsame Terminologie haben und mal munter drauf los reden. Zugegeben, inzwischen mach ich das auch. Und? Ich komm mir verdammt blöd dabei vor. Oder bin ich so blöd?
Vielleicht sollte ich mich doch wieder meinen Maschinen zuwenden, mit handfesten Dingen hantieren, nicht mit so abstrakten Texten und diese noch mehr abstrahieren, bis nur noch ein "Poetologisches Prinzip" übrig bleibt.
Vielleicht studiere ich Literaturwissenschaft aus falschen Gründen. Bisher hatte ich immer den Eindruck bei der Lektüre viel über das Leben zu lernen und Literaturwissenschaft mir als Zugang zu dieser Lektüre zu denken. Keine Angst ich glaube nicht, dass man ein literarisches Werk erklären könnte, aber man kann Bezüge offen legen, Deutungen anbieten. Inzwischen wird aber die Literaturwissenschaft für mich eher zu etwas, das selbst der Deutung bedarf.
Nun abstrahieren wir mal: lösen das Konkrete ins Abstrakte, vermischen es mit ordentlichem Fremdverstehen, weil ja in Sprache formulierte Ideen immer dafür zu haben sind, weil wir unsere Sinnzusammenhänge immer als konstruiert ansehen müssen und weil wir bereits formulierte Thesen immer in Frage stellen müssen.
UND?
Wenn man die Aktionen der Literaturwissenschaft in ihrem Kontext betrachtet, verweist sie ja auf ihre immanente Referenzialität zu ihren eigenen Objekten. Das Subjekt des Literaturwissenschaftlers, im Wissen all seiner konstruktivistischen Prämissen, hat die inhärente Dimension des Objekts Text erfasst und versucht nun dieses, in der Postmoderne beschriebene Prinzip des "Anything goes" in die Handlungsweisen der eigenen Disziplin zu integrieren. Dies eröffnet ganz neue Dimensionen in der Relevanz der getroffenen Thesen...
so ungefähr ging ich heut aus dem Seminar. Dumm, dass ich Mechaniker auch aus der falschen Motivation gelernt habe... Manchmal fürchte ich ohne diese Ausbildung hätt ich nichts fürs Leben gelernt und manchmal verstehe ich auch noch diesen ganzen literaturwissenschaftlichen Kram und das macht mir Angst.
kleinepetra - 14. Nov, 19:51